Fragen und Antworten

Hier finden Sie wichtige Fragen und Antworten rund um das Thema Insolvenz und Restschuldbefreiung in England.
Gerne beantworten wir auch Ihre persönlichen Fragen.

Kann man sich auch schneller entschulden?
Ja. Im Gegensatz zu Deutschland, in dem das Restschuldbefreiungsverfahren sehr lange dauert, sind diese Verfahren in vielen anderen Ländern kürzer. Das EU-Recht ermöglicht es EU-Bürgern, in anderen Ländern das Insolvenzverfahren durchzuführen, wenn sie dort ihren Lebensmittelpunkt haben. Diese Erteilung der Restschuldbefreiung durch Gerichte in anderen EU-Mitgliedstaaten, z.B. in England, wird in Deutschland in der Regel anerkannt.

Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für ein englisches Insolvenzverfahren?
Die wichtigste Voraussetzung für das Verfahren in England ist, dass der Schuldner seinen Lebensmittelpunkt in England hat. Mindestens 6 Monate vor Antragstellung auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens muss der Schuldner schon in England seinen Wohnsitz und seinen Lebensmittelpunkt nach England verlagert haben. Hierbei werden die gesamten Lebensumstände beurteilt, um festzustellen, wo der Lebensmittelpunkt des Schuldners ist, also die Wohnsituation, die Erwerbstätigkeit und auch die familiäre Situation. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass Lebenshaltungs- und Verfahrenskosten gedeckt sind.

Kann der Schuldner während des Verfahrens nach Deutschland reisen?
Natürlich darf der Schuldner seine Familie und Freunde in Deutschland besuchen. Anders als im Steuerrecht wird der Lebensmittelpunkt nicht allein aufgrund von Aufenthaltszeiten beurteilt. Es kommt auf die gesamten Lebensumstände an.

Fallen alle Forderungen bei einer englischen Insolvenz unter die Restschuldbefreiung?
Nein. Wie auch in Deutschland gibt es verschiedenen Forderungen, die nicht restschuldbefreit sind und auch nach dem Verfahren noch vollstreckt werden können. Darunter fallen Forderungen, die auf „fraud“ beruhen, also aufgrund Betrug und betrügerischen Handlungen. Ebenso fallen auch Geldstrafen und Bußgelder nicht unter die Restschuldbefreiung. Unter Umständen fallen auch Unterhaltsrückstände nicht unter die Restschuldbefreiung.

Wie sieht es mit dem Krankenversicherungsschutz in England aus?
Nach dem Umzug nach England, kann man sich günstig dort krankenversichern. Das Krankenversicherungssystem in England ist besser als sein Ruf. Es gibt auch eine Europäische Krankenversicherungskarte, die der deutschen Gesundheitskarte entspricht und die in allen EU-Ländern bei Notfällen angenommen werden sollte.

Wie läuft das Insolvenzverfahren in England ab?
Nachdem der Schuldner einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens unter Einreichung der Formulare gestellt hat, entscheidet das Gericht dann über die Eröffnung. Sofern das Verfahren eröffnet wird, dauert es in der Regel 12 Monate bis zur automatischen Restschuldbefreiung. Ein Insolvenzverwalter (Official Receiver – kurz: OR) kümmert sich während der Zeit um den Fall und ggf. um die Vermögensverwertung.

Wie hoch sind bei einem englischen Insolvenzverfahren die Verfahrensgebühren bei Antragstellung?
Bei Antragstellung sind Verfahrenskosten zu bezahlen, die nicht gestundet werden können. 525 £ fallen als Vorauszahlung der Insolvenzverwalterkosten an und 175 £ als Gerichtskosten. Unter Umständen kann Prozesskostenhilfe für die Gerichtskosten beantragt werden.

Ist die englische Restschuldbefreiung auch anerkannt in Deutschland?
Aufgrund der europäischen Verordnung EG/1364/2000 vom 29.05.2000 und deren Bestätigung durch die Gerichte (Urteil des Bundesgerichtshofs vom 18.09.2001, Az. IX ZB 51/00) ist eine von einem englischen Gericht erteilte Restschuldbefreiung auch in Deutschland grundsätzlich anerkannt.

Wie wird die englische Restschuldbefreiung in Deutschland umgesetzt?
Nach Erlangen der Restschuldbefreiung kann die Bescheinigung darüber beim zuständigen Gericht beantragt werden. Diese Bescheinigung muss übersetzt und mit einer Apostille versehen werden. Dann kann damit die Löschung aus Schuldnerkarteien und Schufa beantragt werden.