INSOLVENZVERFAHREN NACH EU-RECHT

Für die Bürger in der EU eröffnen sich durch das europäische Recht noch weitere Möglichkeiten. Ein Insolvenzverfahren ist nämlich auch in einem anderen EU-Mitgliedsstaat möglich und dann auch in Deutschland anerkannt.

Im Vergleich zu Deutschland sind in vielen anderen europäischen Ländern die Verfahrenszeiten bis zur Erreichung der Restschuldbefreiung wesentlich kürzer, so auch in England, Spanien und Frankreich.

Spricht ein Gericht in einem EU-Mitgliedsstaat eine Restschuldbefreiung aus, gilt diese in der gesamten EU und somit auch in Deutschland. Voraussetzung dafür ist, dass der Lebensmittelpunkt des Schuldners, der ein Insolvenzverfahren beantragt, in dem jeweiligen Land liegt, indem er das Insolvenzverfahren durchführen möchte.

INSOLVENZVERFAHREN IN ENGLAND (UNITED KINGDOM)

Das Insolvenzverfahren in England bietet Schuldnern viele Vorteile. 

Während das deutsche Insolvenzrecht die Gläubigerinteressen besonders im Blick hat, werden in England auch Schuldnerinteressen berücksichtigt. Dort liegt der Fokus auch auf der Stärkung von Unternehmen und Produktivität, um die Wirtschaft anzukurbeln und den Schuldner so schnell wie möglich am Wirtschaftsleben wieder teilnehmen zu lassen.

Aus diesem Grund gibt es die automatische Restschuldbefreiung nach 12 Monaten für redliche Schuldner. In England wird eine Insolvenz nicht als Schande, sondern als Chance zum Neustart gesehen.

Vorraussetzung für eine Insolvenz in England
Bevor ein Insolvenzantrag in England gestellt werden kann, muss der Antragsteller sich bereits mindestens 6 Monate in England aufgehalten haben mit der Absicht, seinen Lebensmittelpunkt dorthin zu verlagern.

Ein Vorteil gegenüber dem Insolvenzverfahren in Deutschland ist hierbei, dass es keinen langwierigen Einigungsversuch mit den Gläubigern vorher geben muss, sondern dass der Antrag auf Eröffnung des Verfahrens dann auch direkt gestellt werden kann.

Ablauf des Insolvenzverfahrens

Vorbereitung
Da ein Schuldner mindestens 6 Monate in England seinen Lebensmittelpunkt haben muss, bevor er den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen kann, muss man entsprechend mit einer Vorlaufzeit rechnen.

Eigentliches Verfahren
Die eigentliche Laufzeit des Insolvenzverfahrens in England dauert regulär 12 Monate bis zur endgültigen Erteilung der Restschuldbefreiung. Im Gerichtstermin zur Antragseröffnung wird auch bereits über die Befreiung von der Restschuld mit entschieden, da die Vermögensverwertung davon unabhängig geregelt wird. Der zuständige Insolvenzverwalter in England (Official Receiver) wird sich am Anfang und vielleicht auch während des Jahres melden, um die Situation zu besprechen. Das ist sehr unterschiedlich, da in England der Insolvenzverwalter eine Behörde ist.

Der Official Receiver (Gerichtsvollzieher in England) berechnet ebenfalls, ob monatliche Zahlungen vom Schuldner geleistet werden können. Dabei werden in England keine Pfändungstabellen genutzt, sondern aufgrund der persönlichen Einnahmen und angemessenen Ausgaben ermittelt, ob es einen Überschuss gibt. Ist dies der Fall, wird ein Income Payment Agreement geschlossen (oder eine entsprechende Order vom Gericht erlassen) und eine Ratenzahlung von 36 Monaten vereinbart. Diese ist unabhängig von der Restschuldbefreiung und läuft entsprechend auch noch nach Erteilung der Restschuldbefreiung weiter.

Umsetzung in Deutschland
Wenn die offizielle Restschuldbefreiung vorliegt (Certificate of Discharge), kann diese übersetzt werden und eine Bereinigung von Schufa etc. erfolgen. Dies kann ca. 3 Monate dauern.

Vorteile einer Insolvenz in England

Ein Insolvenzverfahren in England bietet Ihnen als Schuldner viele Vorteile. Aber auch die Gläubiger werden dadurch nicht schlechter gestellt, da das streng geregelte Insolvenzverfahren in Deutschland auch nicht unbedingt vorteilhaft für sie ist. Von Insolvenzverfahren in Deutschland profitieren am meisten die von Gerichten bestellten Insolvenzverwalter und Treuhänder.

Zeitersparnis
Bei einem Insolvenzverfahren in England sparen Sie sich im Vergleich zum Verfahren in Deutschland viel Zeit (ca. 5 Jahre). Es gibt kein langes Vorverfahren vor einem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, da ein vorhergeriger Einigungsversuchuch mit den Gläubigern in England keine Voraussetzung für ein Insolvenzverfahren darstellt.

Über die Erteilung der Restschuldbefreiung wird bereits bei Verfahrenseröffnung entschieden und nicht erst nach Jahren der Wohlverhaltensphase. 

In der Regel wird die Restschuldbefreiung bereits 12 Monate nach Verfahrenseröffnung automatisch erteilt, da die Vermögensverwertung bei Insolvenzverfahren in England unabhängig von der Restschuldbefreiung erfolgt.

Falls Sie über ein entsprechendes hohes monatliches Einkommen verfügen, wird ein Income Payment Agreement vereinbart, wonach Sie lediglich über einen Zeitraum von 3 Jahren Zahlungen an den Insolvenzverwalter leisten müssen.

Kostenersparnis
In England werden Sie von einer Behörde durch das Insolvenzverfahren geleitet. Dadurch sind auch die gesamten Verfahrenskosten geringer als in Deutschland. Es gibt auch keine gestaffelten prozentualen Gebühren abhängig von einer Insolvenzmasse für Treuhänder und Insolvenzverwalter.

Wegfall der Restschuldbefreiung in England
Einen Wegfall der Restschuldbefreiung gibt es in England nur bei Annullierung des kompletten Insolvenzverfahrens, also wenn es ursprünglich Gründe gab, weshalb das Verfahren nicht hätte eröffnet werden sollen. Das ist dann beispielsweise gegeben, wenn Sie bei Verfahrenseröffnung gar nicht Ihren Lebensmittelpunkt in England hatten.

In Deutschland gibt es einen ganzen Katalog an Regelungen, wann die Restschuldbefreiung nach der 6-jährigen Wohlverhaltensphase versagt werden kann. Durch die Stärkung der Gläubigerrechte seit Juli 2014 können Gläubiger auch während des Verfahrens schon entsprechende Anträge stellen.

Wirkung der Restschuldbefreiung
In Deutschland bleiben Forderungen bestehen, wenn Sie als Schuldner die Restschuldbefreiung nach einem Insolvenzverfahren dort erteilt bekommen. Diese Forderungen können allerdings nicht mehr vollstreckt werden. Im Gegensatz dazu bestehen Forderungen, die vom Insolvenzverfahren umfasst waren, nach der englischen Restschuldbefreiung nicht mehr.

Gesellschaftlicher Umgang mit einer „Pleite“
Im Gegensatz zu Deutschland, wird in England versucht, die Wirtschaft anzukurbeln, indem Menschen und Unternehmen produktiver gemacht werden. Aus diesem Grund gibt es dort verschiedene Regelungen, um Menschen in finanziellen Schwierigkeiten schneller auf die Beine zu helfen. Die automatische Restschuldbefreiung nach 12 Monaten ist eine dieser Regelungen.

In England wird eine Insolvenz nicht als Schande, sondern als Chance zum Neustart gesehen. Das zeigt sich auch daran, dass Ihre Interessen als Schuldner im Verfahren ebenfalls berücksichtigt werden und das Gericht und der Insolvenzverwalter in England Sie respektvoll und höflich um Mithilfe bitten, statt der üblichen an Fristen gebundenen Aufforderungen, wie man sie aus Deutschland kennt.

Erwerbsobliegenheit
Es gibt in England keine Erwerbsobliegenheit. Es darf also keine Restschuldbefreiung versagt werden, weil der Gläubiger nicht der Pflicht zur Erwerbstätigkeit nachgekommen ist.

Pfändungsfreigrenzen
In England gibt es keine Pfändungstabellen. Mögliche monatliche Zahlungen an den Insolvenzverwalter werden also nicht nach starren Tabellen berechnet, sondern es wird auf Ihre individuelle, familiäre und wirtschaftliche Situation geschaut. Anhand Ihrer Einnahmen und Ihrer angemessenen Ausgaben werden mögliche Beträge berechnet.

Neues Bankkonto
In England erhalten Sie die Möglichkeit wieder ein Bankkonto zu eröffnen und erhalten dazu.

Schutz vor Gerichtsvollziehern und Gläubigern
Durch das Insolvenzverfahren sind Sie vor Zugriffen von deutschen Gerichtsvollziehern, Finanzamt und Gläubigern geschützt. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, wieder durchzuatmen und einen Neustart anzugehen.

Realistischer Neustart in England
Das schnelle EU-Insolvenzverfahren in England bietet sehr gute Möglichkeiten zu einem realistischen Neustart. Insbesondere für Unternehmer, Ärzte/Zahnärzte, Juristen, Wirtschaftsprüfer, Architekten und sonstige Selbstständige & Freiberufler.

Neustart in England für die ganze Familie
Ein Umzug mit Kindern nach England eröffnet auch diesen große Vorteile. Sie erlernen Englisch wie eine zweite Muttersprache und können den sprachlichen Vorsprung sowie den multikulturellen Hintergrund für ihre (berufliche) Zukunft nutzen.

Vorteile der Privatinsolvenz in England – in Kurzform

Legaler Neustart mit verkürzter Restschuldbefreiung in nur 18 Monaten mit einem Involvenzverfahren in England. Dafür sprechen viele Gründe. Hier finden Sie die wesentlichen Vorteile in Kurzform zusammengefasst:

  • Anerkannte Restschuldbefreiung in England nach max.12 Monaten, statt in Deutschland nach 7 – 9 Jahren
  • Die Restschuldbefreiungsphase beginnt schon mit der Verfahrenseröffnung
  • Schnellerer Beginn, da kein außergerichtlicher Vergleichsversuch mit den Gläubigern notwendig ist
  • Teilweise Einbeziehung von Verbindlichkeiten, die in Deutschland von der Restschuldbefreiung definitiv ausgeschlossen sind
  • Keine starren Pfändungsfreigrenzen, sondern individuelle Berechnung aufgrund der persönlichen Situation
  • Sofort ein neues Bankkonto
  • Krankenversicherungsschutz in England und Rest der EU
  • Schutz vor Zugriffen von deutschen Gerichtsvollziehern, Finanzamt und Gläubigern (und damit auch psychische Entlastung)
  • Sehr gute Möglichkeit zum realistischen Neustart. Gerade für Unternehmer, Ärzte/Zahnärzte, Juristen, Wirtschaftsprüfer, Architekten und sonstige Selbstständige & Freiberufler
  • Vorteile für die eigenen Kinder, da sie Englisch wie eine zweite Muttersprache erlernen und somit sprachliche und kulturelle Qualitäten für ihre (berufliche) Zukunft erhalten
  • Keine Versagung der Restschuldbefreiung möglich
  • Gesellschaftliche Anerkennung der Insolvenz als Chance und Neustart statt als Schande
  • Interessen des Schuldners werden berücksichtigt
  • Niedrige Verfahrenskosten, da der Insolvenzverwalter eine Behörde ist

Keine Angst vor England

Wussten Sie eigentlich, dass…

  • in Großbritannien über 160.000 Deutsche leben – vor allem in London und Umgebung?
  • ein starkes Netzwerk „Deutsche in London“ existiert?
  • Kinder Englisch wie eine zweite Muttersprache lernen und eine neue Kultur erleben, was sie früh für den weltweiten Arbeitsmarkt rüstet? London verschiedene deutschsprachige Kindergarten- und Schulangebote bietet?
  • bei einer Insolvenz Englischkenntnisse zwar von Vorteil sind, aber nicht zwingend notwendig? Wir begleiten Sie während der gesamten Verfahrenslaufzeit und erledigen auf Wunsch auch alle Behördengänge.

Ist die in England erteilte Restschuldbefreiung in Deutschland anerkannt?

Die Anerkennung der EU-Insolvenz (z.B. Insolvenz in England) in Deutschland ist schon lange gegeben.

Bereits in der Verordnung EG/1364/2000 vom 29.05.2000 wurde festgelegt, dass bei Insolvenzverfahren diejenigen Gerichte zuständig sind, in dessen Gebiet der Schuldner den Mittelpunkt seiner hauptsächlichen Interessen (Lebensmittelpunkt) hat.

Bei Firmen wird vermutet, dass der Mittelpunkt der hauptsächlichen Interessen der Ort des satzungsmäßigen Sitzes ist. Sofern dies anders ist, muss dafür Beweis angetreten werden.

Spricht ein Gericht in einem EU-Mitgliedstaat eine Restschuldbefreiung aus, gilt es nicht nur in diesem Land, sondern in der gesamten EU und damit auch in Deutschland. Insbesondere auch Gerichtsvollzieher erkennen dies als unbedingtes Vollsteckungshindernis an (vgl. BGH-Beschluss vom 18.09.2001, Aktenzeichen: IX ZB 51/00).

KOSTEN DES INSOLVENZVERFAHRENS IN ENGLAND

Natürlich hängen die Kosten des Verfahrens von unterschiedlichen Faktoren ab. Es kommt darauf an, wo jemand in England hinzieht, ob er dort arbeitet etc.

Grundsätzlich entstehen derzeit 705 £ Verfahrenskosten bei Antragsstellung. Diese setzen sich aus 180 £ Gerichtskosten und 525 £ Verfahrenskosten für den Official Receiver (Gerichtsvollzieher) zusammen. Eine Stundungsmöglichkeit wie in Deutschland gibt es nicht. Wegen der Gerichtskosten kann aber Prozesskostenhilfe beantragt werden.

Während in Deutschland sich die Gerichtskosten und Insolvenzverwalterkosten nach der Insolvenzmasse richten, ist dies in England nicht der Fall.

Lösungswege

Lernen Sie uns kennen! Wir stehen zu einem verbindlichen aber kostenlosen Erstgespräch gerne zur Verfügung.

Schildern Sie uns Ihre Situation – Gemeinsam wollen wir mit folgenden Lösungsansätzen einen Weg aus der Schuldenkrise finden:


Außergerichtlicher Vergleich


Insolvenzverfahren nach EU-Recht in England


Insolvenzverfahren in Deutschland


Sanierung und Restrukturierung