PRIVATINSOLVENZ – Die letzte Hürde: SCHUFA und das Leben nach erteilter Restschuldbefreiung (RSB)

Einführung in die SCHUFA und das Leben nach erteilter Restschuldbefreiung (RSB)

Geschafft: Sie haben Ihre Insolvenz in Deutschland erfolgreich hinter sich gebracht. Sie haben die letzten Jahre auf kleinem Fuß leben müssen und sind nun belohnt worden mit der Restschuldbefreiung (RSB).

Das Insolvenzverfahren und die nach einer Wohlverhaltensphase erlangte Restschuldbefreiung sollen Gläubiger in die Lage versetzen, wieder frei von Schulden gleichberechtigt am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Doch nun kommt erst noch eine weitere Hürde, über die sich viele im Vorfeld kaum einen Gedanken gemacht haben: Die SCHUFA.

Dieses Video ist in der ZDF-Mediathek unter folgendem Link erreichbar:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2295252/Schwerer-Neustart-nach-Insolvenz (Alle Rechte sind dem Urheber vorbehalten.)

Was sind Auskunfteien?

In Deutschland gibt es etliche Auskunfteien, die Informationen über die eigene Person bereithalten und diese auf Anfrage an deren Geschäftspartner weiterleiten. Es gibt seriöse (Creditreform, Infoscore, Schufa, etc.) als auch weniger seriöse Auskunfteien. Sie werden in einem Wirtschaftsleben benötigt, um geschäftliche Aktivitäten rund um das Kreditwesen und Ratenzahlungsvereinbarungen bei vorab erbrachter Leistung zu beschleunigen und abzukürzen.

Der Einfachheit halber werden wir uns hier einzig und allein auf die Schufa beziehen, welches die wohl bekannteste Auskunftei in Deutschland ist und die bei den meisten Leuten den Eindruck erweckt, wie ein Damokles-Schwert über die wirtschaftlichen Aktivitäten jedes einzelnen zu wachen.

Was ist die Schufa? Freund und Feind!

Die SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist – wie bereits erwähnt- der bekannteste Bonitätswächter Deutschlands. Sie speichert neben persönlichen Daten zu natürlichen Personen – Namen, Geburtsdatum und –ort, Anschrift, pers. Basisscore – auch Informationen, die sie von Ihren Vertragspartnern erhalten. Diese Information beinhalten die Bankkonten, Kreditkarten, Leasingverträge, Mobilfunkkonten, Ratenzahlungsgeschäfte, Kredite, Bürgschaften, evtl. Zahlungsausfälle, und Versandhandelskonten. Außerdem fließen in die Speicherung Daten ein, die die Schufa aus den öffentlich einsehbaren Schuldnerverzeichnissen und anderen öffentlichen Bekanntmachungen erhält.

Wichtig: Die SCHUFA ermittelt selbst keine Daten. Sie besitzt keine Angaben über Vermögen und Einkommen, Beruf, Familienstand, Nationalität, Religion. Das heißt, alle Daten die gesammelt werden, sind durch Ihr persönliches Dazutun an die SCHUFA gelangt!

Der Speicherung haben alle über die sogenannte SCHUFA-Klausel in den Vertragsbestimmungen (allgemein AGB’s) zugestimmt, die besagt, dass bei Abschluss eines Vertrages alle relevanten Daten automatisch weitergeleitet werden dürfen.

Im Umkehrschluss heißt dies, dass Sie ohne eine entsprechende Auskunft bei der Schufa kaum oder nur unter schwierigen Bedingungen ein Handy, Auto oder Kredit erhalten würden.

Was macht die SCHUFA mit den Daten?

Vielen ist nicht bekannt, was die SCHUFA mit diesen Daten macht. Sie erstellt zum einen für jede Person einen persönlichen Basisscore. Dieser wird aufgrund eines komplizierten und geheim gehaltenen Algorithmus errechnet und auf Anfrage an die Vertragspartner weitergeleitet. Je höher dieser Wert ausfällt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen Vertrag erfolgreich abschließen können. Des Weiteren ermittelt die SCHUFA drei unterschiedliche Branchenscores:

  • Für Banken-, Leasing- und Kreditkartenunternehmen
  • Für Handelsunternehmen
  • Telekommunikationsunternehmen

Der Basisscore und der einzelne Branchenscore werden auf Anfrage an die Vertragspartner weitergeleitet. Sie dienen dem Unternehmen, neben anderen Einflussfaktoren, Ihre Kreditfähigkeit abzuwägen. Doch Vorsicht: Auch die Unternehmen haben interne Bewertungsparameter im Hinblick auf Ihre Kreditwürdigkeit (z.B. bei Banken das sog. BASEL 2).

Basisscore und Branchenscore

Alle Scores, welche die SCHUFA bereithält, werden nach einem komplizierten mathematisch-statistischem Analyseverfahren intern berechnet. Auf die Art der Berechnung hat man als Verbraucher keinen Einfluss. Auch muss die SCHUFA die Berechnungsgrundlage nicht öffentlich bekanntmachen.

Was Sie jedoch beeinflussen können, sind die Einträge, welche in Ihrem Namen bei der SCHUFA gespeichert werden. Bsp.: Eine Ratenrückzahlung eines Kredits, der einmal geplatzt ist, findet automatisch Eingang in die Datenspeicherung und beeinflusst Ihre Scores und damit Ihre zukünftige Kreditwürdigkeit und Bonität maßgeblich negativ. Die Abzahlung eines Kredits, als „erledigt“ gekennzeichnet, beeinflusst Ihren Score positiv.

Speicherung der Daten - Fristen

Hier kommen wir nun zu der Krux des Ganzen. Für alle Einträge gibt es Speicherungsfristen, die je nach Eintrag unterschiedlich sind. Mitunter bis zu 3 Jahren und in Einzelfällen sogar länger.

Eintrag einer Insolvenz: „Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wird für die gesamte Dauer des Verfahrens, max. jedoch für einen Zeitraum von 6 Jahren zum Jahresende gespeichert. Die Information „Insolvenzverfahren eröffnet“ wird spätestens 3 Jahre zum Jahresende nach der Aufhebung oder Einstellung des Verfahrens zusammen mit dem Hinweis auf die Aufhebung des Verfahrens gelöscht.“ (Auszug SCHUFA)

Eintrag Restschuldbefreiung: „Die Ankündigung der Restschuldbefreiung bleibt bis zur Entscheidung über die Erteilung oder Versagung der RSB gespeichert, max. jedoch für einen Zeitraum von 6 Jahren taggenau. Die Erteilung der RSB wird nach einem Zeitraum von 3 Jahren zum Jahresende im Datenbestand gelöscht.“ (Auszug SCHUFA)
Eintrag Forderungen: „Die von unseren Vertragspartnern gemeldeten Forderungen können erst nach Erteilung der RSB mit einem Erledigungsvermerk versehen werden, der wiederum erst nach 3 Jahren gelöscht wird.“ (Auszug SCHUFA)
„Auch wenn ein Schuldner den Gläubiger vollständig befriedigt, wird die zu seiner Person gespeicherte Forderung nicht sofort gelöscht, sondern ebenfalls für einen Zeitraum von bis zu 3 Kalenderjahren gespeichert.“ (Auszug SCHUFA)
Bei positiven Einträgen würden wir uns eine langjährige Speicherung wünschen, bei negativen Einträgen hingegen wäre uns an einer schnellen Löschung gelegen.
Da das Leben nun mal kein Wunschkonzert ist, muss man nun versuchen, das Beste daraus zu machen.

Neustart nach der Restschuldbefreiung

Ziel der Privatinsolvenz ist es, nach einer gewissen Wohlverhaltensphase mit der erlangten Restschuldbefreiung wieder am öffentlichen und wirtschaftlichen Leben gleichberechtigt teilnehmen zu können.

Soweit die Theorie. Die Praxis liegt leider oft weit davon entfernt. Denn obwohl man seine Restschuldbefreiung in der Hand hält, werden die Negativeinträge, die bei der SCHUFA gespeichert sind, nicht umgehend gelöscht. Denn ein wirtschaftlicher Neuanfang bedeutet nicht, dass Sie bei Null beginnen.

Genau genommen bedeutet dies, dass Sie definitiv benachteiligt sind. Obwohl nun schuldenfrei, bewirken diese Negativeinträge für weitere 3 Jahre, dass Sie sich bspw. nicht zu gleichen Konditionen ein Auto auf Raten kaufen können. Oder wahrscheinlicher, dass Sie erst gar keinen Kreditvertrag abschließen können. Auch der Abschloss eines neuen Handyvertrages wird immer noch problematisch bis unmöglich sein.

Die Insolvenz in Deutschland

Im Klartext heißt dies, dass die Zeit, bis Sie wieder eine „weiße Weste“ haben, sich über insgesamt 10-11 Jahre (1 Jahr bis zur Eröffnung der Verbraucherinsolvenz mit außergerichtlichem Schuldenbereinigungsplan, 6 Jahre Wohlverhaltensphase mit anschließender RSB, 3 Jahre zum Jahresende bis zur Löschung der Einträge) hinziehen kann.

Da die SCHUFA Ihre Information über Ihre Insolvenz und Ihre RSB aus dem Bundes- und Staatsanzeiger bezieht, haben Sie auch keine Chance, diese Einträge zu verhindern, es sei denn, Sie haben Ihre Restschuldbefreiung im Ausland (z.B. England) erlangt.

Die Speicherung der Daten über die Insolvenz und der RSB gelten als sog. harte Einträge, da sie das Scoring bei der SCHUFA extrem negativ beeinflussen.

Auch wenn dieses Vorgehen in Deutschland schon oft moniert wurde und Beschwerden bei Gerichten eingegangen sind, so wird sich an diesem Zustand wohl kurzfristig nichts ändern. Auch sieht der Gesetzgeber hier derzeit keinen dringenden Bedarf, eine Gesetzesänderung bezüglich der Fristen bei der Datenspeicherung einzubringen, obwohl es Stimmen gibt, welche behaupten, diese Vorgehensweise verstöße gegen das geltende Grundgesetz. Schließlich soll die Restschuldbefreiung den Grundstein zum Neustart legen, was durch die negativen Einträge in der SCHUFA & Co. und deren Benachteiligung dadurch so nicht gegeben ist.

Die Insolvenz in England

Wenn Sie Ihre Insolvenz in England gemacht haben und dort ein Certificate of Discharge (CoD = RSB) erhalten haben, so ist diese Restschuldbefreiung auch in Deutschland in vollem Umfang anzuerkennen.

Da die SCHUFA jedoch keinen Einblick in das englische Insolvenzregister hat, erhalten Sie somit auch keinen Eintrag über das Verfahren und auch keinen Eintrag über die RSB.

Da Ihre Gläubiger entweder bereits vom Official Receiver (OR = Insolvenzverwalter) oder von Ihnen über die erlangte RSB informiert wurden, können diese Ihre Forderungen gegen Sie nicht mehr durchsetzen. Die Gläubiger müssen dies der SCHUFA melden, damit diese Einträge (je nach Art des Eintrags) sofort gelöscht oder mit einem Erledigungsvermerk versehen werden. Diese Einträge sind jedoch viel weichere Einträge.

Letzte Bemerkung

Unabhängig, wie sehr Sie auch versuchen, Ihre Negativ-Einträge bei der SCHUFA schnellstmöglich zu beseitigen, so sollten Sie jedoch auch bedenken, dass es auch noch viele andere Auskunfteien gibt, die von Firmen zur Abgabe eines Scorings herangezogen werden. Eine erfolgreiche Löschung von Einträgen ist von vielen Faktoren abhängig. Unabhängig, ob Sie sich die Begleitung eines Verfahrens durch die EU-INSOLVENZ360 wünschen, steht Ihnen Herr Rechtsanwalt Detlef Steffen gerne unterstützend und begleitend zur Verfügung. Dies betrifft das Deutsche als auch Englische Insolvenzverfahren.